Bettina Kreuter

Journalistin und Krimiautorin

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Bettina Kreuter
© Reinhold Seeböck, 2011

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Schreibsucht
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Schreibsucht

Der Wunsch zu schreiben ist wie eine Sucht. Das Gefühl begleitet mich tagein, tagaus.

Worte, Geschichten blitzen in meinem Kopf auf, um ungenutzt wieder zu verschwinden.

In meinem Bauch kribbelt es wie bei einem verliebten Schulmädchen. Meine Finger zucken, besessen von dem Wunsch, einen Stift zu halten.

Endlich wage ich es, die Sucht zu stillen, um in den befreienden Rausch des Schreibens zu verfallen. Die Welt um mich ist vergessen, meine Gedanken haben das Kommando übernommen. Nun bin ich nur mehr willenloses Geschöpf, wie von selbst gleitet meine Hand über das Papier. Die Geschichte in meinem Kopf hält mich gefangen, drängt nach Befreiung.

Schreiben! Schreiben!

Das Gefühl in meinem Bauch wird stärker, verändert sich, klettert ins Zwerchfell. Ich bin die Dirigentin einer Symphonie, die ich nicht kenne. Immer weiter steigere ich mich hinein in die Ekstase; koste das Glücksgefühl aus, solange es möglich ist.

Irgendwann muss ich zurück aus dieser Welt, zurück auf den Boden der Realität. Nur ein kleines Bisschen noch, nur noch einen Satz, einen Absatz, eine Seite. Noch kurz bleiben, sich dem Schreiben hingeben dürfen, mit all seinen Ausmaßen.

Die Worte drängen zurück, das Rauschgefühl lässt nach. In der Wirklichkeit treffen mich die Emotionen der ungeschriebenen Sätze - ich muss weinen und lachen. Gleichzeitig. Nach einander.

Beschämt lege ich den Stift zur Seite, schließe das Heft und verstecke es an einem geheimen Ort.

Sobald dies geschehen ist, beginnt der Kreislauf von vorne.

Meine Gedanken kreisen umher,
in meinen Fingerspitzen juckt es,
in meinem Bauch kribbelt es.

Die Abstände bis zur nächsten Schreibdosis werden kürzer.

Schreiben ist mein Leben, niemals mehr möchte ich darauf verzichten müssen.

Bettina Kreuter, 2007